Slow Fashion ist mehr als nur „möglichst wenig Kleidung kaufen“. Es geht darum, seine Kaufgewohnheiten langfristig in eine nachhaltige Richtung zu lenken. Mit den Spielregeln von Slow Fashion schaffen das auch eingefleischte Fashionvictims.

Ich mag Mode sehr und kaufe auch sehr gerne Kleidung. Nichtdestotrotz habe ich mir vorgenommen meinen Modekonsum nachhaltiger zu gestalten. Das Motto lautet: Slow Fashion.

Doch was bedeutet Slow Fashion eigentlich genau? Und warum überhaupt so ein Riesending darum machen?

Nachhaltig ist doch, nur wirklich notwendige Kleidung zu kaufen und diese dann möglichst lange zu tragen.

Aus die Maus, oder?

Slow Fashion Prinzipien tausche und kaufe gebraucht

Qualitätsvolle Kleidung kann Jahrzehnte getragen werden

Doch Kleidung ist eben nicht nur Mittel zum Zweck. Sie ist auch Spaß, Wohlgefühl, Ausdruck…. für mich ist es einfach undenkbar mit einer rein zweckmäßigen Garderobe zufrieden zu sein.

Nichtsdestotrotz kann jeder von uns seine Kaufgewohnheiten mithilfe des Slow-Fashion-Ansatzes in eine positive, umweltfreundlichere Richtung lenken.

Vorab: Warum Fast Fashion so Scheiße ist

Kleidung kaufen ist zur Freizeitbeschäftigung geworden – und die eie Fashion-Industrie macht es uns  einfach, diesem „Hobby“ ständig nachgehen zu wollen und zu können. Bis zu 12 Kollektion im Jahr stellen sicher, dass wir ständig mit neuer Ware „versorgt“ werden.

Doch Fast Fashion hat einen Preis:

1. Fast Fashion macht unsere Umwelt kaputt: Die Produktion von Kleidung ist grundsätzlich schädlich für die Umwelt. Beim Produktionsprozess werden Chemikalien verwendet, die anschließend in unsere Gewässer gelangen. Je günstiger produziert wird, desto weniger wird darauf geachtet, die Umweltbelastung gering zu halten.

2. Fast Fashion beutet aus: Es gibt ein Sprichwort: „Billige Kleidung gibt es nicht – irgendwer bezahlt immer dafür.“ Im Fall der Fast-Fashion-Industrie sind es die die Mitarbeiter der Textilfabriken. Sie arbeiten für Billigstlöhne unter menschenunwürdigen Bedingungen.

3. Fast Fashion ist teuer: Ja, teuer. Du kaufst diese Mode vielleicht relativ günstig ein; aufgrund der schlechten Qualität hast du allerdings nicht lange etwas von ihr. Wie oft habe ich mich geärgert, weil sich das T-Shirt beim ersten waschen verzogen hat oder der Pulli bereits nach wenige Male tragen Pilling aufwies…

Wusstest du außerdem, dass wir durchschnittlich 20% unseres Kleiderschranks niemals tragen? Das ist jedes fünfte Teil! Wenn du bedenkst, wie viel Klamotten in deinem Schrank sind, kommt auch hier ein ganz schönes Sümmchen an rausgeschmissenem Geld zusammen.

4. Fast Fashion ist stillos:  Kleidung sollte uns schmeicheln. Das heißt, die Schnitte sollten zu unserer Figur, die Farben zu unserem Teint und unserer Haarfarbe passen. Statt also ständig neuen Trends hinterher zu jagen – die uns im Zweifel nicht sehr vorteilhaft aussehen lassen – sollten wir uns bemühen, unseren eigenen Stil zu finden.

Mal abgesehen davon, das gut verarbeitet Mode aus hochwertigen Materialien meistens auch einfach besser sitzt… Und nichts ist unvorteilhafter als schlechtsitzende Kleidung.

Slow Fashion – die Spielregeln

Bei Slow Fashion geht es nicht um Verzicht – nicht im Kern. Vielmehr geht es darum, mit der Kleidung zu arbeiten, die es bereits gibt – in deinem eigenen Schrank und auch in dem von Anderen.

Spielregeln von Slowfashion

Die Slow-Fashion-Pyramide

Nutze die Kleidung, die du schon hast!

Warst du schon mal in deinem eigenen Kleiderschrank shoppen?

Oftmals wissen wir nämlich gar nicht, was sich für Schätzchen darin befinden: ganz unten im Stapel, oder zwischen den Winterjacken eingequetscht.

Also, ich habe schon Kleidungstücke mit Etikett daran gefunden…

Nach einer ersten Bestandsaufnahme hast du normalerweise drei Stapel:

  1. Kleider, die bleiben, weil du sie regelmäßig anziehst.
  2. Kleider, die du selten bis gar nicht trägst, obwohl sie beim erneuten Probetragen doch eigentlich schön sind.
  3. Kleider, die du – warum auch immer – ganz sicher nicht mehr trägst.

Meine Erfahrungen aus der Capsule Wardrobe haben gezeigt, dass es durchaus sinnvoll ist, Stapel Nummer Zwei erst einmal zu behalten und in den nächsten Wochen aktiv zu versuchen, sie mit beliebten Teilen zu kombinieren.

Lesetipp: Anleitung – in 5 Schritten zur Capsule Wardrobe

Manche Stücke musst du auch erst einmal einen Tag getragen haben, um zu merken, dass sie richtig geil sind.

Jahrelang hatte ich zum Beispiel einen Rock im Schrank. Getragen habe ich den nie. In meinen Standardkombinationen war er mir immer zu düster, zu Gothic. Von ihm trennen wollte ich mich aber auch nicht wirklich. Also probierte ich ein wenig herum, ob er mir wirklich in keiner Variante gefällt. Und siehe da: Mit einem knallroten Grobstrickpullover hatte ich ein neues Lieblingsoutfit entdeckt.

Slow Fashion Prinzipien trage was du hast

Im eigenen Kleierschrank stöbern, statt Neues kaufen

Die Kleidung aus Stapel Nummer drei solltest du weitergeben. Gut erhaltene Stücke kannst du verkaufen oder verschenken. Vielleicht wird es so das Lieblingsstück einer anderen und verhindert an dieser Stelle einen Neukauf.

Lesetipp: Altkleider spenden, tauschen, verkaufen – eine Übersicht

Wenn mich heute der Wunsch nach etwas Neuem packt, gehe ich erst einmal zu meinem Kleiderschrank und kombiniere mir ein neues Outfit zusammen. Das macht genauso viel Spaß wie der Gang in den Laden.

Leihe Kleidung aus!

Wie oft kaufen wir uns nur für einen Tag oder einen Anlass neue Kleidung: das Abendkleid für eine Abschlusszeremonie, das Trend-Dirndl für’s Oktoberfest oder die Strandtunika für den Sommerurlaub?

Stattdessen kannst du solche Kleidung auch wunderbar bei Freunden und in der Familie ausleihen. Es gibt mitlerweile auch einige Onlineshops, bei denen du Kleidung mieten kannst. Punktuell kann das auch eine gute Alternative sein.

Lesetipp: Kleidung mieten: ein kritischer Blick auf den Kleiderverleih

Tausche Kleidung!

Es ist einfach. Es macht Spaß und es kostet keinen Cent: Kleidung tauschen. Schlage das doch einfach einmal deinen Freundinnen vor und organisiere eine private Tauschparty. Fräulein Gute Stube hat hierbei einige Erfahrung und ein paar gute Tipps auf Lager.

Vor allem in den größeren Städten gibt es ein stetig wachsendes Angebot an öffentlichen Kleidertauschpartys, bei denen jeder eingeladen ist, nach Herzenslaune zu stöbern, zu entdecken und mit nach Hause zu nehmen. Schau doch mal bei Kleidertausch.de vorbei. Vielleicht findest du dort auch eine Veranstaltung in deiner Nähe.

Also ich werde dieses Jahr sicherlich auf der ein oder anderen Kleidertauschparty mit Anwesenheit glänzen ?

Kaufe Second Hand!

Bei Baby- und Kinderkleidung gehört es schon zum guten Ton: auf Bazaren, Second-Hand-Shops und einschlägigen Online-Portalen kaufen wir gerne und oft gebrauchte Stücke.

Wieso also nicht auch für uns selbst? Viele geben neue und neuwertige Schrankleichen oder auch gut erhaltene (Designer-)Stücke gerne an den Nächsten weiter. Und neben der Umwelt schont dies in den meisten Fällen auch den Geldbeutel.

Darüber hinaus hast du hier eine viel größere Chance auf ausgefallene Teile, die nicht jeder im Schrank hängen hat.

Dabei habe ich auch meine große Liebe zu Vintage Klamotten entdeckt. So cool, so individuell und ausgefallen. Wer seine Garderobe mit markenten Einzelstücken aufpeppen möchte dem kann Vintage nur empfehlen

Lesetipp: Die schönsten Onlineshops für Vintage Mode

Kleidung selber machen!

Wer Nähen und Stricken kann, ist beim Thema Selbermachen klar im Vorteil.

Aber vielleicht hast du auch eine liebe Freundin, Oma, Schwiegermutter mit DIY- Geschick, die dir zum Geburtstag oder zu Weihnachten oder einfach mal so eine Freude machen möchte…?

DIY-Spastiker – wie ich einer bin – brauchen jedoch ebenfalls nicht verzagen. Auch für uns gibt es viele, einfache Möglichkeiten Kleidungstücke zu verändern und aufzuwerten:

Einfärben zum Beispiel ist super einfach (und bei Baumwolle auch idiotensicher), jedoch sehr effektiv, damit Kleider besser in deine Garderobe passen.  Genauso einfach ist es, mit wenigen Handgriffen Nieten, Patches oder Schmucksteine anzubringen – alles was du dazu brauchst, ist ein wenig Fantasie.

Lesetipp: Jeansjacke aufpeppen – ein einfaches DIY

Kaufe nachhaltige Mode!

Klamotten kaufen ist keine Todsünde. Mittlerweile gibt es einige Hersteller, die umweltbewusst und unter fairen Arbeitsbedingungen produzieren. Viele Labels engagieren sich auch sozial, durch Hilfsprojekte oder indem sie einen Teil des Gewinns spenden.

Also wenn schon kaufen, dann sollten wir mit dem Geld, das wir ausgeben, genau diese Menschen und Unternehmen unterstützen.

Doch wo finden wir diese unterstützungswürdige Kleidung?

Nachhaltige Mode, Grüne Mode, Faire Mode, Eco Fashion: Sie hat viele Namen; geschützte Begriffe sind es jedoch nicht. Auf Nummer sicher gehst du, wenn du bei deinem Einkauf auf die Öko-Textilsiegel der Kleidung achtest.

Die strengsten und unabhängigsten Siegel sind IVN Best, GOTS und Made in Green von Öko-Test. Informationen zu den jeweiligen Prüfkriterien sowie eine vollständige Liste der relevanten Siegel findest du bei Utopia.de.

Tipp: Ich habe mir für den Anfang die kostenlose App „Good on you“ heruntergeladen (nur als englische Version erhältlich). Sie enthält eine Liste vieler nationaler und internationaler Marken und bewertet, wie nachhaltig diese Marken agieren. Oder du lässt dir in verschiedenen Kategorien empfehlenswerte Labels anzeigen.

Nachhaltige Mode ist prinzipiell deutlich kostenintensiver als Fast Fashion. Das ist natürlich keine Überraschung, kann deine Kaufgewohnheiten und deine intuitiven Budgetgrenze allerdings auf eine harte Probe stellen.

Ich sehe es positiv: Für mich ist die Preishürde eine weitere „Kontrollinstanz“, um nicht dem Kaufrausch zu verfallen. Ansonsten kann ich nur raten, azyklisch zu kaufen. Das heißt, du kaufst jeweils im Sale, was du jeweils die nächste Sommer- oder Wintersaison tragen möchtest

Silvia