Es scheint gerade der neue Hot Shit des nachhaltigen Modekonsums zu sein: Kleidung mieten statt kaufen. Doch wer bietet überhaupt Kleider zum leihen an und ist hier alles grün was glänzt?

Sharing is caring! Dieses Motto feiert auch in der Modewelt in Form von Mietkleidung gerade den Einzug. In jüngster Zeit fühle ich mich geradezu umringt von Startups rund um diese Konzept.

Besonders nachhaltig soll es ja sein. Und ressourcenschonend. Die Gegenbewegung zur Wegwerfmentalität von Fast Fashion.

Zugegebenermaßen war ich anfangs euphorisch, als ich die ersten Leihplattformen entdeckte. Schließlich habe ich mir vorgenommen nach den Prinzipien von Slow Fashion zu konsumieren. Doch nichts ist immer nur schwarz-weiß. Jedes Konzept hat seine Vor- und Nachteile und nicht immer ist Leihen automatisch nachhaltiger als kaufen.

Hier also nun eine Übersicht zu den unterschiedlichen Anbietern zum Kleider ausleihen – und mein Senf dazu 😉

Hier kannst du Kleidung mieten statt kaufen

Die großen Leihplattformen: mehr Schein als Sein?

Stay awhile ist eine Leihplattform mit ausschließlich nachhaltig produzierenden Labels. Das Konzept gehört zum Big Player Kilenda. Kilenda ist einer der größten Mietanbieter für Kinderkleidung und Partner von Tchibo Share.

Die Standard-Mietbox enthält vier Teile und kostet 59 Euro im Monat. Damit immer genug passende Teile dabei sind, werden sieben Teile geschickt. Vier behälst du, den Rest schickst du zurück. Mindestmietzeit ist ein Monat. Nach dem Motto „keep what you love“ besteht die Möglichkeit die geliehenen Kleider abzukaufen.

Markenschwerpunkt von Stay Awhile ist Armedangels. Deren Kleidung stammt dabei vor allem aus Überproduktionen. Böse Zungen könnten unterstellen, dass durch diese neue „Verwertungsmöglichkeit“ bewusst Überproduktionen in Kauf genommen werden. Es winken schließlich günstigere Produktionspreise und höhere Margen.

Im schlimmsten Fall entwickelt sich solch ein Leihmodell zum indirekten Verkaufsmodell. Es wird nur noch neue, ggf. auch eigens produzierte Kleidung „verliehen“, um diese anschließend mit aggressiven Preisreduzierungen für den Kauf schmackhaft zu machen.

Ein anderer Anbieter von Mietkleidung ist Tchibo Share. In puncto Nachhaltigkeit habe ich da allerdings so meine Bedenken.

Dank ihres Konzeptes „Jede Woche eine neue Welt“ dürfte Tchibo in Restbeständen ersticken. Diese günstig zu „vermieten“ ist sicherlich eine wirtschaftliche und zu zugleich PR-positive Verwertungsform.

Tschibo selbst erklärt, dass nur neue oder ‚so gut wie neue‘ Kleidung verliehen wird. Klar, ist doch die Retourenbearbeitung und -Aufbereitung so viel kostenintensiver als die gebrauchte Klamotten einfach zu verschenken oder zu vernichten. Das hat uns schon der Amazon-Skandal eindrucksvoll verdeutlicht.

Kann eine Kleider-Flatrate nachhaltig sein?

Myonbelle ist das Abo-Mietkonzept für Hardcore-Fashionvictims. Das Leih-Sortiment umfasst ein großes Angebot namhafter Marken. Die Boxen-Abos kosten 39 – 59 Euro und werden frei aus deinem Merkzettel bestückt. Du weist also nie, was du als nächstes bekommst.

Im Gegensatz zu den anderen Anbietern gibt es bei Myonbelle keine Mindestmietdauer. Im Sinne einer Flatrate kannst du die Mietkleidung so oft tauschen wie du möchtest.

Eine Alternative ist dieses Konzept eigentlich nur für Power-Shopper, die ständig neue Kleidung und Outfits tragen wollen. Ob diese Modesucht durch Myonbelle nachhaltiger wird, wage ich zu bezweifeln. Zum einen sind die ständigen Zu- und Rücksendungen zu bedenken. Zum anderen verführen saftige Preisreduzierungen wahrscheinlich eher öfter als selten zum Kauf der gemieteten Kleidung.

Neue Konzepte für den Kleiderverleih

Das erst kürzlich an den Start gegangene Konzept Unown bietet ebenfalls ausschließlich nachhaltig produzierte Kleidung zum Mieten an. Die Styles können einzeln oder als Abo (3 Teile) für 69 Euro pro Monat geliehen werden. Minimale Mietdauer ist ein Monat. Es besteht die Möglichkeit des vergünstigten Kaufs.

Das interessante: Unown hat ein „Declutter-Programm“ in sein Konzept integriert. Hier hast du die Möglichkeit gut erhaltene Kleidung nachhaltiger Labels bei Unown zum Verleih anzubieten. 25% der Erlöse bekommst du entweder in Form eines Warengutscheins zurück, oder du kannst sie spenden.

Ob sich dieses Konzept als gemeinschaftliche und von Neuware unabhängige Leihplattform etablieren kann wird sich zeigen. Ich werde es weiter beobachten.

Bereits selbst ausprobiert habe ich die Capsule Wardrobe zum Mieten von Fairnica. Die Idee: Du besitzt nur Kleidungs-Basics wie Jeans und Shirts und mietest bei Fairnica abgestimmte Kleidungspakete mit jeweils 5-8 Teilen. Capsule und Basics ergeben bis zu 30 verschiedene Outfits.

Das Konzept hat noch ein paar Schwächen. Beispielsweise kannst du die Größe nur für gesamte Kapsel wählen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dir das ein oder andere Kleidungsstück aus der Caspule nicht passt oder nicht gefällt ist relativ hoch.

Unter dem Aspekt eines ganzheitlichen, nachhaltigen Modekonsums empfinde ich dieses Konzept allerdings gut durchdacht.  Mit rund 90 Euro inkl. Versand pro Monat aber recht hochpreisig.

Der große Auftritt oder: Abendkleider leihen

Bei den Anbietern Chic by Choice und Dresscoded geht es nicht darum seine Alltagsgarderobe aufzupeppen. Hier bekommst du Ballkleider namhafter Designer, edle Jumpsuits und Trachten für besondere Anlässe. Mieten kannst du die Abendkleider und Trachten für jeweils vier oder acht Tage. Die professionelle Reinigung ist inklusive.

Tatsächlich finde ich das anlassbezogene Mieten von Kleidung am sinnvollsten. Ob die große Robe für den Ball, der Schwangerschaftsmantel oder das Kostüm für das wichtige Vorstellungsgespräch – Kleidung, die du nur für einen kurzen Zeitraum brauchst, ist nachhaltiger gemietet als gekauft.

Mietservice von Marken

Das Leihen von Kleidung ist nicht nur auf unabhängigen Plattformen möglich. Auch Marken selbst greifen den Trend der Mietkleidung auf.

Bei Mud Jeans kannst du für 7,50 im Monat bis zu drei Jeans leasen. Das Mindestleasing beträgt ein Jahr, danach kannst du die Jeans neu leasen, zurückgeben oder umtauschen. Die zurückgegebenen Jeans werden up- oder recycelt.

Wenn man bedenkt, dass die Produktion von Jeans zu einer der ressourcenaufwendigsten gehört, ist dies ein sehr interessantes Konzept. Und auch rein finanziell nicht von der Bettkante zu stoßen. Im Laden kostet eine Mud-Jeans schließlich 119 Euro. Wirklich interessant ist diese Konzept für alle, die sich regelmäßig neue Jeans kaufen – z.B. wegen aktueller Trendschnitte. Mit drei „neuen“ Jeans pro Jahr sollten wir auskommen können.

Mud Jeans selbst darf sich mit dem Leasing-Programm vor allem über ein grünes Image, Kundenbindung (v.a. in Form von jährlich wiederkehrenden Zahlungen) und zurückfließende Ressourcen freuen.

Eine weitere Marke, wo der Kleiderverleih zum Geschäftsmodell gehört, ist das neu und nachhaltig aufgestellte Label Skunkfunk. Jetzt unter dem Namen SKFK zu finden.

Für 39 Euro bzw. 49 Euro pro Monat kannst du dort vorausgewählte Outfitkombinationen mieten. Ein netter Service, vor allem um die Marke kennen zu lernen und sich ohne großes Risiko von der Trage- und Waschqualität zu überzeugen.

Das Ende vom Lied: Revolution Kleiderverleih?

Kleidung mieten ist nachhaltig.

Naja, sie KANN es sein. Einige Punkte sind aber noch sehr undurchsichtig.

Woher kommt die Kleidung für diese Mietplattformen zum Beispiel? Wird sie extra für den Verleih produziert? Oder handelt es sich vielleicht um eine neue Form der Resteverwertung – statt Produktionsmengen herunter zu nehmen?

Außerdem stelle ich mir die Frage, wie oft ein Kleidungsstück durchschnittlich vermietet wird, bevor es aussortiert wird. Schließlich leiht keiner durchgenudelte Klamotten, geschweige denn kaufen. Wird die Kleidung dabei überhaupt öfter getragen als ein gekauftes Teil?

Die Mietbranche bietet viel Potential zum Greenwashing. Da heißt es Augen offenhalten. Außerdem dürfen wir uns selbst nicht in die Tasche lügen. Ein ausschweifender Mietkonsum ist nicht besonders nachhaltig – wir fühlen uns nur gut dabei. KEIN Konsum ist schließlich immer noch am umweltfreundlichsten.

Für mich persönlich ist der Kleiderverleih vor allem anlassbezogen eine gute Alternative. Für alles andere ist es mir auch einfach zu teuer. Für das gleiche Geld kann ich mir alle 1-2 Monate ein neues, nachhaltiges Teil kaufen. Für die Alltagsgarderobe ist eine sorgfältig zusammengestellte Capsule Wardrobe sicherlich sinnvoller und nachhaltiger.

Silvia