//Slow Fashion Spielregeln: Für ein langfristiges, nachhaltiges Kaufverhalten

Slow Fashion Spielregeln: Für ein langfristiges, nachhaltiges Kaufverhalten

Slow Fashion ist mehr als nur „möglichst wenig Kleidung kaufen“. Es geht darum, seine Kaufgewohnheiten langfristig in eine nachhaltige Richtung zu lenken. Mit den Spielregeln von Slow Fashion schaffen das auch eingefleischte Mode-Fans.

Mein Projekt für 2019: Meine Garderobe soll im Sinne von Slow Fashion nachhaltig werden. Ich mag Mode sehr und kaufe auch sehr gerne Kleidung, doch will ich die ganze Ausbeutung von Menschen und unseres Planeten durch die Fast-Fashion-Industrie nicht länger unterstützen.

Lesetipp: Projekt Slow Fashion – mein Weg zur nachhaltigen Garderobe

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Doch was bedeutet Slow Fashion eigentlich genau? Und warum überhaupt so ein Riesending darum machen?

Nachhaltig ist doch, nur wirklich notwendige Kleidung zu kaufen und diese dann möglichst lange zu tragen.

Aus die Maus, oder?

Slow Fashion Prinzipien tausche und kaufe gebraucht

Tja, dumm nur, dass es mir einfach schwer fällt, mit einer minimalistischen, zweckmäßigen Garderobe zufrieden zu sein. Kleidung ist eben nicht nur Mittel zum Zweck. Mode ist auch Spaß, Belohnung, Ablenkung, Wohlgefühl, Ausdruck….

Kurz gesagt, eigentlich will ich es nicht.

Obwohl ich natürlich rational weiß, dass es besser wäre.

Aber das ist wie mit der Schokolade.

Volkskrankheit Modesucht

Überhaupt kannst du die ganze Problematik mit dem Wunsch nach einer gesunden, bewussten Ernährung vergleichen. Du weißt (also theoretisch), dass es besser wäre, dich gesund zu ernähren, Bioprodukte zu kaufen und auf Saisonalität und Regionalität zu achten.

Es ist nur einfach so wahnsinnig schwer, all den Verführungen zu widerstehen, die sich dir tagtäglich aufdrängen. Denn auch Essen ist eben so viel mehr als nur die Reaktion auf ein Hungergefühl.

Beim Essen – wie auch beim Modekonsum – können wir uns kurzfristig vielleicht noch ganz gut zusammenreissen; eine Zeit lang kaufen wir weniger und kaufen wir hochwertiger.

Eine langfristige echte Umstellung resultiert daraus aber meistens nicht.

Warum?

Die Krux mit der Gewohnheit

Wusstest du, dass ein Großteil unserer alltäglichen Entscheidungen auf Basis von Gewohnheiten getroffen werden – und zwar weitestgehend unbewusst und automatisch?

Das ist erst einmal nicht Schlechtes. Im Gegenteil, es erleichtert enorm unseren Alltag. Dumm nur, dass Gewohnheiten fest ins Gehirn einprogrammierte Verhaltensweisen sind. Verhaltensweisen, an deren Ende die Ausschüttung von Glückshormonen steht.

Sprich, so einfach bekommen wir sie nicht los.

Auch die Schlechten nicht.

Tja, und wie, wo, was und warum wir kaufen ist Gewohnheitssache:

„Aber dieser schwarze Pulli sieht ganz anders aus als die anderen vier in meinem Schrank…“

„Das war so ein Schnäppchen, da musste ich einfach zugreifen!“

„Die Woche war so stressig, da gönn‘ ich mir am Wochenende einen schönen Shopping-Nachmittag.“

Na? Wer fühlt sich ertappt?

Eine Gewohnheit zu verändern, klappt am besten, wenn du sie durch eine neue ersetzt. Eine neue, die das dahinterliegende Bedürfnis in gleicher Weise befriedigt.

Genau deswegen nehme ich mir nicht einfach vor, keine Mode mehr zu konsumieren. Denn ähnlich wie eine Diät, würde dies (zumindest in meinem Fall) keine langfristige Veränderung herbeiführen. Irgendwann würde ich wieder in alte Verhaltensmuster fallen.

Stattdessen werde ich meine Kaufgewohnheiten mithilfe des Slow-Fashion-Ansatzes in eine positive, umweltfreundlichere Richtung lenken.

Also: Gleicher Spaß bei gutem Gewissen.

Slow Fashion – die Spielregeln

Bei Slow Fashion geht es nicht um Verzicht – nicht im Kern. Vielmehr geht es darum, mit der Kleidung zu arbeiten, die es bereits gibt – in deinem eigenen Schrank und auch in dem von Anderen.

Spielregeln von Slowfashion

Nutze die Kleidung, die du schon hast!

Warst du schon mal in deinem eigenen Kleiderschrank shoppen?

Oftmals wissen wir nämlich gar nicht, was sich für Schätzchen darin befinden: ganz unten im Stapel, oder zwischen den Winterjacken eingequetscht.

Also, ich habe schon Kleidungstücke mit Etikett daran gefunden…

Nach einer ersten Bestandsaufnahme hast du normalerweise drei Stapel:

  1. Kleider, die bleiben, weil du sie regelmäßig anziehst.
  2. Kleider, die du selten bis gar nicht trägst, obwohl sie beim erneuten Probetragen doch eigentlich schön sind.
  3. Kleider, die du – warum auch immer – ganz sicher nicht mehr trägst.

Meine Erfahrungen aus der Capsule Wardrobe haben gezeigt, dass es durchaus sinnvoll ist, Stapel Nummer Zwei erst einmal zu behalten und in den nächsten Wochen aktiv zu versuchen, sie mit beliebten Teilen zu kombinieren.

Manche Stücke musst du auch erst einmal einen Tag getragen haben, um zu merken, dass sie rocken ?

Jahrelang hatte ich zum Beispiel einen spontan auf Reisen gekauften Rock im Schrank, den ich aber nie trug. In meinen Standardkombinationen war er mir immer zu düster, zu Gothic. Von ihm trennen wollte ich mich aber auch nicht wirklich. Also probierte ich ein wenig herum, ob er mir wirklich in keiner Variante gefällt. Und siehe da: Mit einem knallroten Grobstrickpullover hatte ich ein neues Lieblingsoutfit entdeckt.

Slow Fashion Prinzipien trage was du hast

Die Kleidung aus Stapel Nummer drei solltest du weitergeben. Gut erhaltene Stücke kannst du verkaufen oder verschenken. Vielleicht wird es so das Lieblingsstück einer anderen und verhindert an dieser Stelle einen Neukauf.

Lesetipp: Altkleider spenden, kaufen, tauschen – eine Übersicht

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Wenn mich heute der Wunsch nach etwas Neuem packt, gehe ich erst einmal zu meinem Kleiderschrank und kombiniere mir ein neues Outfit zusammen. Das macht genauso viel Spaß wie der Gang in den Laden.

Leihe Kleidung aus!

Wie oft kaufen wir uns nur für einen Tag oder einen Anlass neue Kleidung: das Abendkleid für eine Abschlusszeremonie, das Trend-Dirndl für’s Oktoberfest oder die Strandtunika für den Sommerurlaub?

Stattdessen kannst du solche Kleidung auch wunderbar bei Freunden und in der Familie ausleihen. Außerdem gibt es auch einige Online-Portale wie Chic by Chloe oder Myonbelle, wo Mode für Klein (hab ich selbst schon ausprobiert und klappt wunderbar) und Groß gemietet werden kann.

Lesetipp: Kinderkleidung mieten statt kaufen mit Kindoo

Tausche Kleidung!

Es ist einfach. Es macht Spaß und es kostet keinen Cent: Kleidung tauschen. Schlage das doch einfach einmal deinen Freundinnen vor und organisiere eine private Tauschparty. Fräulein Gute Stube hat hierbei einige Erfahrung und ein paar gute Tipps auf Lager.

Vor allem in den größeren Städten gibt es ein stetig wachsendes Angebot an öffentlichen Kleidertauschpartys, bei denen jeder eingeladen ist, nach Herzenslaune zu stöbern, zu entdecken und mit nach Hause zu nehmen. Schau doch mal bei Kleidertausch.de vorbei. Vielleicht findest du dort auch eine Veranstaltung in deiner Nähe.

Also ich werde dieses Jahr sicherlich auf der ein oder anderen Kleidertauschparty mit Anwesenheit glänzen ?

Kaufe Second Hand!

Bei Baby- und Kinderkleidung gehört es schon zum guten Ton: auf Bazaren, Second-Hand-Shops und einschlägigen Online-Portalen kaufen wir gerne und oft gebrauchte Stücke.

Wieso also nicht auch für uns selbst? Viele geben neue und neuwertige Schrankleichen oder auch gut erhaltene (Designer-)Stücke gerne an den Nächsten weiter. Und neben der Umwelt schont dies in den meisten Fällen auch den Geldbeutel.

Darüber hinaus hast du hier eine viel größere Chance auf ausgefallene Teile, die nicht jeder im Schrank hängen hat.

Wenn ich das nächste Mal auf der Suche nach einem bestimmten Kleidungsstück bin, werde ich erst versuchen, Second Hand etwas Passendes und Schönes zu bekommen.

Die „Jagd“ nach dem perfekten Teil macht hier mindestens genauso viel Spaß wie im Einkaufszentrum.

Kleidung selber machen!

Wer Nähen und Stricken kann, ist beim Thema Selbermachen klar im Vorteil.

Aber vielleicht hast du auch eine liebe Freundin, Oma, Schwiegermutter mit DIY- Geschick, die dir zum Geburtstag oder zu Weihnachten oder einfach mal so eine Freude machen möchte…?

DIY-Spastiker – wie ich einer bin – brauchen jedoch ebenfalls nicht verzagen. Auch für uns gibt es viele, einfache Möglichkeiten Kleidungstücke zu verändern und aufzuwerten:

Einfärben zum Beispiel ist super einfach (und bei Baumwolle auch idiotensicher), jedoch sehr effektiv, damit Kleider besser in deine Garderobe passen.  Genauso einfach ist es, mit wenigen Handgriffen Nieten, Patches oder Schmucksteine anzubringen – alles was du dazu brauchst, ist ein wenig Fantasie.

Kaufe nachhaltige Mode!

Klamotten kaufen ist keine Todsünde. Mittlerweile gibt es einige Hersteller, die umweltbewusst und unter fairen Arbeitsbedingungen produzieren. Viele Labels engagieren sich auch sozial, durch Hilfsprojekte oder indem sie einen Teil des Gewinns spenden.

Also wenn schon kaufen, dann sollten wir mit dem Geld, das wir ausgeben, genau diese Menschen und Unternehmen unterstützen.

Doch wo finden wir diese unterstützungswürdige Kleidung?

Nachhaltige Mode, Grüne Mode, Faire Mode, Eco Fashion: Sie hat viele Namen; geschützte Begriffe sind es jedoch nicht. Auf Nummer sicher gehst du, wenn du bei deinem Einkauf auf die Öko-Textilsiegel der Kleidung achtest.

Die strengsten und unabhängigsten Siegel sind IVN Best, GOTS und Made in Green von Öko-Test. Informationen zu den jeweiligen Prüfkriterien sowie eine vollständige Liste der relevanten Siegel findest du bei Utopia.de.

Tipp: Ich habe mir für den Anfang die kostenlose App „Good on you“ heruntergeladen (nur als englische Version erhältlich). Sie enthält eine Liste vieler nationaler und internationaler Marken und bewertet, wie nachhaltig diese Marken agieren. Oder du lässt dir in verschiedenen Kategorien empfehlenswerte Labels anzeigen.

Nachhaltige Mode ist prinzipiell deutlich kostenintensiver als Fast Fashion. Das ist natürlich keine Überraschung, kann deine Kaufgewohnheiten und deine intuitiven Budgetgrenzen allerdings auf eine harte Probe stellen.

Ich sehe es positiv: Für mich ist die Preishürde eine weitere „Kontrollinstanz“, um nicht dem Kaufrausch zu verfallen ?

Soo, wie das alles so klappt und welche Geheimtipps ich auf meinem Weg finde, kannst du natürlich hier im Blog weiter verfolgen. Ansonsten bist du eingeladen, Vivabini auf Instagram zu folgen – hier poste ich regelmäßig Outfits und gebe wertvolle Weisheiten kund 🙂

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Silvia

2019-01-04T19:45:26+00:00 Kategorien: Fashion|Tags: , , |

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