//Wie mir das verkorsteste Weihnachten klar machte, was wirklich zählt!

Wie mir das verkorsteste Weihnachten klar machte, was wirklich zählt!

Dieses Jahr werden wir Weihnachten im großen Familienkreis feiern (wahrscheinlich, aber noch sind es ja ein paar Tage und da kann viel passieren…). Letztes Jahr war dies ebenfalls der Plan. Mit Primo und Baby Piccolo freuten wir uns auf ein schönes Fest im geselligen Familienkreis. 

Ja, und dann kam es anders. Es passierte etwas das mir klar machte, worum es an Weihnachten wirklich geht.

Meine Gedanken dazu hatte ich aufgeschrieben. Und ich bin froh darüber, denn nur allzu leicht vergesse ich es wieder, vergesse was wirklich zählt:

Seit ich zurückdenken kann, haben wir Weihnachten mit der ganzen Familie im großen Kreis gefeiert. Mein Mann auch. An diesem Heiligaben sitzt unsere kleine Familie alleine zu Hause vorm geschmückten Weihnachtsbaum. Das war anders geplant. Und fast hätte Weihnachten für uns dieses Jahr gar nicht stattgefunden. Aber zurück zum Anfang.

Damit die Hektik und Fahrerei nicht zu groß ist wechseln wir, seitdem wir Kinder haben, jährlich zwischen den Familiennsträngen, um dort die Feiertage zu verbringen. Dieses Weihnachten wollten wir im gewohnt großen Familienkreis bei den Eltern meines Mannes feiern. Mit stattlichem Festgesessen, tausenden Geschenken und aufgedrehten Kindern. Die meisten Geschenke waren schon besorgt und warteten nur noch auf eine glitzernde Hülle. Die Woche vor Weihnachten hatte mein Mann Urlaub, und ich freute mich auf ein paar ruhige, entspannte Tage vor dem großen Fest.

Erstens kommt es anders, und zweitens…

Doch dann kam das Virus. Das Rotavirus. Klein Piccolo musste ins Krankenhaus und es ging ihm schlecht. Aus einer Nacht wurden zwei. Aus zwei Nächten drei. Schließlich war es nicht einmal gewiss, ob wir zu Weihnachten überhaupt nach Hause gehen könnten. Das große Familienfest musste für uns ausfallen. Zu groß wäre der Stress für den angeschlagenen Piccolo. Am Freitag vor Heiligabend kam dann aber die erlösende Nachricht: Weihnachten würden wir daheim verbringen können.

Und so sitzen wir am Heiligabend im kleinen Kreis vor unserem eigenen Weihnachtsbaum. Ganz ohne Festmahl und ohne Geschenkeberge. Aber auch ganz ohne Hektik und ohne Weihnachtstrubel. Wir essen Fisch aus der Tiefkühltruhe und Pudding aus dem Glas. Die Geschenke unterm Baum sind überschaubar.

Wie sonst zu Weihnachten ist Primo dieses Jahr zum ersten mal nicht überfordert von den tausenden Päckchen, die alle nach seiner Aufmerksamkeit schreien. Piccolo interessiert sich eh nur für das Geschenkpapier. Gemütlich sitze ich auf dem Boden, mit dem Rücken an das Sofa gelehnt, und genieße den Augenblick.  Ich beobachte Primo dabei, wie er begeistert auf seinem neuen Keyboard herumklimpert. Seine leuchtenden Augen, als er es ausgepackt hat, waren unbezahlbar.

Der Geist der vergangenen Weihnacht

Und wie ich ihn so betrachte, muss ich an all die vergangenen Weihnachten aus meiner Kindheit zurückdenken:

Ich erinnere mich an das eine Weihnachten, als ich mein erstes Keyboard bekommen habe. Es war ein richtiges Keyboard, nicht so eines mit Tierstimmen, wie Primo eines bekommen hat. Aber ich war auch schon älter. Ich erinnere mich daran, wie ich damit spielend am Boden saß, und den Demoknopf entdeckte. Als kurz darauf meine Oma hereinkam tat ich so, als würde ich diese Melodie selbst spielen. Sie lobte mich überschwänglich, wie toll ich schon spielen konnte. Damals dachte ich natürlich, sie würde den Betrug nicht merken und freute mich wie ein Schnitzel über meine Gewitztheit.

Ich erinnere mich auch noch an ein anders Fest. Da muss ich noch sehr klein gewesen sein. Ich bekam einen tollen Puppenwagen geschenkt. Diesen würdigte ich allerdings keines Blickes mehr, als ich die Carrera-Bahn meiner älteren Brüder unter dem Baum stehen sah. Ob meine Eltern vielleicht enttäuscht waren über meine Nichtbeachtung?

Und ich erinnere mich an das Weihnachten, als mein Vater schallend lachend vor dem Baum meiner Oma auf die Knie ging, weil es „der hässlichste Weihnachtsbaum sei, den er je gesehen hatte“. Ich kann mich nicht mehr genau an den Baum erinnern, aber ich weiß, dass seit dieser Weihnacht keine echten Bäume mehr bei meiner Oma stehen.

Erkenne, was wirklich zählt!

Zurück im Hier und Jetzt muss ich darüber schmunzeln. Weihnachten wird wohl nie so perfekt und harmonisch verlaufen wie wir uns das erträumen. So wie unser Weihnachtsfest: Statt letzter Shoppinggänge, um ja für jeden das passende Geschenk zu haben, saß ich mit Piccolo im Krankenhaus. Ich litt mit ihm, als er tausend mal gestochen, die Vene für die Infusion aber nie getroffen wurde. Ich versuchte stark zu sein, als er mich hilfesuchend dabei anblickte. Stundenlang hielt ich ihn tröstend im Arm, versuchte ihn zum Essen zu bewegen, versuchte ihn zum Trinken zu bewegen. Ich wartete und hoffte, dass bald alles wieder gut sein würde.

Und als ich da in dem kleinen Krankenzimmer saß und sich die Stunden ins Unendliche zogen, musste ich an all die anderen Mütter und Väter denken mit kranken Kindern. Chronisch kranken Kindern. Sterbenskranken Kindern. Was müsst ihr nur durchstehen? Die Kraft und Mut und Stärke, die ihr aufbringt für eure Kinder, ist grenzenlos! Ich hoffe ich werde nie erfahren, ob ich stark genug dafür sein würde.

So blicke ich demütig auf meine eigenen, gesunden Kinder, die freudig Geschenke auspacken oder, in Piccolos Fall, versuchen die untersten Kugeln vom Weihnachtsbaum zu pflücken. Was für ein Glück ich doch habe!

Der Geist der zukünftigen Weihnacht

Ich stelle mir die vielen Weihnachten vor, die da noch kommen mögen. Mit den großen und kleinen Pannen, den großen und kleinen Überraschungen. Unser Baum ist prall geschmückt mit verschiedensten Kitschkugeln. Für jedes Kind eine Kugel pro Jahr. In Primos letzten Adventskalenderbeutel war dieses Jahr ein kleiner Christbaumbagger. Symbolisch für all die Bagger- und Traktorbücher die wir uns dieses Jahr ansehen durften. Ja, und irgendwann bin ich vielleicht selbst Oma und lasse mich von meinen Enkeln beeindrucken oder für den hässlichen Weihnachtsbaum auslachen.

Natürlich ist es nicht das Weihnachten, dass ich mir ausgemalt hatte. Ich glaube sogar, es ist das verkorksteste Fest aller Zeiten. Echte Familien-Weihnachten sind eben nicht Lametta, Gesang und Eierpunsch, wie uns das in den Hollywoodfilmen immer vorgegaukelt wird. Sie sind hektisch und stressig, voller Rotznasen und Fieberbäckchen, kleiner und großer Unglücke.

Und doch sind es Momente wie diese hier auf dem Boden vor dem Weihnachtsbaum, die Weihnachten so schön machen. Ich blicke auf meine Kinder und bin einfach glücklich, dass sie da sind. Dass wir zusammen sind. Ich bin froh. Frohe Weihnachten.

Silvia

Dieser Artikel ist Teil der Blogparade “Weihnachten mit Kind” von Sylvias Blog Momsfavoritesandmore mit vielen weiteren Geschichten und Traditionen rund um das heilige Fest.

2017-12-19T21:54:36+00:00 Kategorien: Mamaleben|Tags: , |

4 Comments

  1. Mamabär 20. Dezember 2017 um 6:57 Uhr - Antworten

    So wahr! Danke für den schönen Artikel 🙂

    • Silvia 20. Dezember 2017 um 14:12 Uhr - Antworten

      Hallo!
      Vielen lieben Dank! Ich wünsche dir wunderschöne und gesunde Weihnachten mit deiner Familie!

      LG Silvia

  2. Sabrina Kunz 21. Dezember 2017 um 16:15 Uhr - Antworten

    Es geht nichts über gesunde Kinder..bei solchen Dingen wird es einem immer wieder bewusst

    • Silvia 28. Dezember 2017 um 7:20 Uhr - Antworten

      Hallo Sabrina,
      da hast du mehr als Recht. Wenn man welche hat, vergisst man das nur gerne schnell.

      LG Silvia

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