Naturpädagogin Tanja Bächmann erklärt, warum Natur erleben so wichtig für unsere Kinder ist. Außerdem hat sie vier einfache Spielideen für den Wald und die Natur im Gepäck, die jeden Naturmuffel nach draußen treibt.

Keinen Bock auf Frischluft? Wer ist unmotiviert – Kind, Mama oder Papa? Vielleicht findest du Herumlaufen auch einfach langweilig?

Egal wie – es gibt Lösungen!

Also: Mama-Motivations-Hut aufsetzten und mit Kreativität die Entdeckergeister für die Natur wecken.

Wie? Warum? Weiterlesen!

Warum Natur den Kindern gut tut

Ist es überhaupt wichtig, dass unsere Kinder noch wissen, wie die Natur funktioniert?

Sicher kann uns auch eine App sagen, was wann blüht, wie welches Tier aussieht, was es frisst und was es für Bäume gibt. Die App erkennt wahrscheinlich sogar was es für ein Baum ist.

Aber soll das wirklich die Zukunft unserer Kinder sein?

Ein Spaziergang oder viel besser eine „Entdeckerstunde“ in der Natur hat noch viel mehr Vorteile als das reine Wissen.

Prof. Dr. Gerald Hüther (Neurobiologe) sagt einmal:

„Je mehr Sinne beim Lernen beteiligt sind, desto besser prägt sich einem Kind die neue Erkenntnis ein. Das beste Spielmaterial bietet dabei die Natur. Wenn Kinder zum Beispiel mit Blättern spielen, tun sie das mit mehreren Sinnen gleichzeitig. Sie nehmen den harzigen Geruch wahr, fühlen die Blattadern, unterscheiden verschiedene Farbtöne, verändern die Form des Blattes durch Zerrupfen oder Falten. Kinder lernen also durch unmittelbares Erleben.“ 

Natur erleben ist aber nicht nur eine Stimulation der Sinne. Darüber hinaus hat spielen im Freien noch weitere positive Auswirkungen:

  • Kreativität, Fantasie und Erfolgserlebnisse sind super für die Stärkung der seelischen Widerstandkraft (Resilienz).
  • Sauerstoff ist der Energizer für das Gehirn. Das Gehirn unserer Kids muss richtig viel speichern und verarbeiten.
  • Stärkung des Immunsystems: Einfach mindestens 30 Minuten im Wald aufhalten. Ob Laufen, Sitzen oder Liegen ist dabei vollkommen egal. Das Ganze ist gerade Trend und nennt sich „Waldbaden“. Inzwischen ist dies sogar eine anerkannte Therapie gegen verschiedene Krankheiten.
  • Kinder können nur die Natur schützen, die sie auch kennen – und wir alle brauchen den blauen Planeten noch eine ganze Weile…
  • Körperliche und Seelische Ausgeglichenheit durch Bewegung, Austesten der Grenzen und die Ruhe der Natur.

Spielideen mit Kindern im Wald und Natur

Was kann ich als Mama-Mega-Motivator aus dem Hut zaubern, um die Laune der Kids zu steigern?

Es gibt viele einfache und kreative Spielideen, für die du keine große Vorbereitung brauchst, aber wahnsinnig viel Spaß machen:

1. Blatt „to go“

Blatt „to go“ ist das perfekte Spiel, um Kinder während des Laufens zu beschäftigen.

Egal wo du gerade unterwegs bist, in der Stadt, im eigenen Garten oder im Wald: Es gibt überall Blätter von Sträuchern und Bäumen. Kein Blatt in der Nähe? Dann nimm den nächsten kleinen Ast.

Gut und was nun? Einfach mal anschauen? Unterschiede wahrnehmen? Hm…

Blattform, Blattfarbe, Blattadern, Blattgröße: Es gibt viele Dinge zu entdecken!

„Was hat dein Blatt was Meines nicht hat?“

Spiele im Wald für Kinder

Waldspiele brauchen keine Vorbereitung – nur Fantasie

Animiere deine Kinder durch Fragen das Blatt genauer anzuschauen. Fragen wie „Was glaubst du warum das Blatt genau hier liegt?“ oder „Was glaubt du warum das Blatt solche Adern hat?“ regen das Gehirn und die Fantasie deiner Kinder an. Dabei wird die Entdeckerlust geweckt.

Natürlich kannst du auch selbst ein wenig kreativ werden oder einfach mal herumspinnen: Vielleicht sieht dein Blatt aus wie ein Wal ohne Flosse, oder wie ein Hase ohne Ohren, oder, oder…

2.  Blinder Baum

Für dieses Spiel brauchst du circa 20 Bäume und einen Schal oder ein Tuch als Augenbinde. Zur Not tut es auch eine Packung eingetrockneter Feuchttücher: Einzelne Tücher zusammenknoten und fertig 😉

Vorsicht an alle Park-Mamis: Habt ein Auge auf die Tretminen der Wauzi!

Und so funktioniert es:

  1. Verbinde deinem Kind die Augen
  2. Führe es zu einem Baum deiner Wahl
  3. Lass dein Kind den Baum erforschen: riechen, tasten, umfassen usw.
  4. Führe dein Kind wieder an den Ausgangspunkt zurück
  5. Augenbinde abnehmen
  6. Frage: „Welcher Baum war dein Baum?“
  7. Mama, jetzt hast du Gesichtsentgleisung…dein Kind findet seinen Baum ratz fatz.
  8. Freuen, freuen, freuen – dien Kind hat ein super schönes Erfolgserlebnis

Tipp: Beim ersten Versuch einen Baum auswählen, der sich optisch gut von den anderen unterscheidet. Das steigert die Chance auf Erfolgserlebnis beim Kind.

ACHTUNG: Hat Suchtfaktor – die meisten Kinder wollen meist gleich nochmal. Dann gerne die Schwierigkeit steigern.

Waldspiele mit Kindern

Natur erleben mit allen Sinnen fördert die Entwicklung

3. Waldlauscher

Dieses Spiel ist für die Pause auf dem nächsten Baumstamm oder dem gemütlichen Platz am Waldboden.

Einfach Hinsetzen und den Blick nach oben richten – das machen wir während des Laufens ja schließlich eher selten 😉

Beobachtet die Wolken und lasst eurer Fantasie freien lauf: Welche lustigen Figuren entdeckt ihr in den Wolken?

Werde kreativ. Du wirst sehen, deine Kids steigen schnell darauf ein und machen mit.

Oder schaut euch die Baumkronen einmal richtig intensiv an. Vielleicht werden Eichhörnchenkobel, außergewöhnliche Astformen oder geheimnisvolle Nester entdeckt.

Ach das gibt es ja noch was: die Ohren. Ja wir wissen alle die Kids haben zwei davon, nur ob die wirklich funktionieren ist manchmal fraglich 😉

So funktioniert der Waldlauscher:

Einfach still sein und den Vogelstimmen lauschen. Kommen sie alle aus einer Richtung? Wie viele unterschiedliche Vogelstimmen hört ihr und aus welchen Ecken?

Fünf Minuten still sein und lauschen ist natürliche eine Herausforderung. Aber ich bin mir sicher, dass deine Kids es mit diesem Ansporn schaffen.

Nach den fünf Minuten wird es spannend! Die Kinder haben natürlich den Vortritt beim Erzählen, was sie alles gehört haben.

Alternative zum Lauschen:

Dein Kind ist schon älter als sechs Jahre? Dann packe noch einen Bleistift und zwei, drei Blätter Papier ein.

Jeder von euch malt einen Punkt auf die Mitte des Papieres: Das ist eurer jeweiliger Standpunkt. Dann macht weitere Punkte aufs Papier wo ihr meint, eine Vogelstimme gehört zu haben.

Noch eine Steigerung gefällig?

Die Unterschiedlichkeit der Vogelstimmen und der beeindruckenden Geräusche vom Wald können mit Symbolen wie Kreis, Dreieck etc. symbolisiert werden. Oder ihr könnt die Laute aufschreiben, die ihr hört.

Nach der Lauschzeit die Blätter nebeneinander legen und vergleichen. Spektakuläre Aufzeichnungen warten darauf entdeckt und analysiert zu werden.

Ach und solltest du und deine Kids die stille Zeit genießen, dann pfeift auf die Zeit und lasst euch treiben, solange ihr lauschen wollt.

4. Spuren suche – feines Näschen

Du kennstsicherlich die Backaroma-Mischung vom Aldi. Da ist doch mindestens eine Sorte dabei, die du eh nie verwendest und die mal dringend weg muss…

Rein in den Rucksack damit!

Ihr seid zu dritt oder mehr unterwegs? Während die Kids sich eine Pause gönnen geht ein Erwachsener auf das geheimnisvolle Spuren legen mit Backaromafläschchen:

  1. Start- bis zum Zielpunkt festlegen
  2. Am Zielpunkt einen kleinen Schatz verstecken
  3. Zwischen Start- und Zielpunkt an den Bäumen jeweils einen Tropfen auf die Baumrinde tropfen
  4. Kind zum Startpunkt führen
  5. Nun heißt es: Fröhliches Schnüffeln
  6. Mit dem Kind freuen, wenn es der Duftspur erfolgreich gefolgt ist und den Schatz aufgeregt entdeckt hat

Über dieses Spiel kannst du auch super Wissen vermitteln: Du kannst deinen Kids währendessen super erklären, das sich die Tiere im Wald über Duftspuren wieder finden. Schließlich haben die Tiere kein Handy, damit sie sich über einen Anruf oder eine Whatsapp finden. Bei ihnen funktioniert dies hauptsächlich über die Nase.

Tipp: Das Spuren-Suche-Spiel ist übrigens auch eine kreative Idee, wie deine Kids an Ostern ihre Nester finden.

Fazit – Kinder runter von der Couch ab in die Natur

Es hilft nix, dank der Digitalisierung brauchen unsere Kinder die Natur mehr denn je!

Mamis gebt nicht auf und jagt eure Kids raus.

Bleibt kreativ: Es lohnt sich! Irgendwann braucht ihr eure Kids nicht mehr motivieren – dann packt sie der Entdeckerdrang von ganz allein.

Viel Spaß mit den Kindern im Wald und den unendlich vielen Waldspielen, die es noch so gibt.

Eure Tanja

Tanja Bächmann ist Naturpädagogin, Resilienzberaterin, Trainerin und Mutter von einer Tochter (1,5 Jahre). Seit über 6 Jahren ist die gebürtige Bambergerin selbständig tätig im Bereich der Führungskräfte- und Persönlichkeitsentwicklung sowie der Organisationberatung. Bei allen Ihren Tätigkeiten hat sie die seelische Widerstandkraft (Resilienz) ihrer Kunden im Blick.  2018 gründete Sie mit ihrem Mann die „Naturentdecker“ und führt mit Leidenschaft Kinder und ihre Begleiter in die Geheimnisse der Natur auf spielerischer Art und Weise ein.

Fotocredit: @Fotalia