Ich bin ja eine alte Lästerschwester. Ich weiß das. Wenn man mich manchmal so über meine Familie und Kinder reden hört, möchte man meinen, alles wäre furchtbar: Ich habe mein langjähriges Hobby aufgegeben, meine Karriere hat den berühmten Knick bekommen, ja, ich möchte fast sagen, sie ist gerade nicht mehr existent. Die Nächte sind ein einziger Horror. Ich träume vom Durch- und Ausschlafen, erfüllt wurde mir dieser Wunsch allerdings seit über drei Jahren nicht mehr.  Kino, Essen gehen oder Shoppen, alles Dinge, die der Vergangenheit angehören.

Mama sein ist anstrengend

Dieses ständige präsent sein müssen, diese ständige Geräuschkulisse aus toben, schreien, lachen und schimpfen zehren an meinen Nerven. Schlafmangel und Übernächtigung tun ihr übriges, um die Haut dünn und die Frustschwelle niedrig werden zu lassen. Manchmal sind die Tage so anstrengend und der Wunsch nach ruhigen Stunden auf der Couch so überwältigend, dass ich nur noch heulen kann, oder ausflippen, oder alles zusammen. Das sich das Leben so verändert erzählt einem vorher natürlich keiner. Oder vielleicht erzählt es einem jeder, man hört aber nicht richtig zu oder versteht es einfach nicht.

Und darüber schreibe ich dann manchmal. Über die dunkleren Stunden, die schattigeren Seiten des Mamaseins. Und auch deshalb, weil es bei vielen anderen den Anschein hat, alles sei so leicht und fröhlich und unkompliziert. Das ist es natürlich nicht. Es sind immer nur Ausschnitte eines Ganzen. Und ich möchte heute auch einmal einen anderen Ausschnitt meines Mutterseins zeigen. Denn ich bin gern Mutter und ich bereue nichts. Nun bin ich kein sehr emotionaler Mensch, doch es gibt Momente mit meinen Kindern, da halte ich kurz inne und lächle, einfach weil mich so ein warmes Gefühl überkommt. Ich glaube, dass Gefühl nennt sich Glück, Mutterglück.

Das Glück der kleinen Gesten

Und dabei sind es nicht nur die großen Ereignisse und Meilensteine, die die Zeit kurz anhalten. Vielmehr sind es die Alltäglichkeiten, die kleinen Momente und Gesten, die mir immer wieder zeigen, wie sehr ich diese kleinen Geschöpfe liebe und sie auch mich.  Es sind die Momente…

  • wenn sie aufschauen und strahlen, weil sie sich freuen, dass ich da bin. Nur weil ich da bin.
  • wenn sie mir von ihrem liebsten Kuchen ein Stück übrig lassen, um ihn mit mir zu teilen.
  • wenn nachts ihre kleine Hand die meine sucht, um dann beruhigt weiter zu schlafen.
  • wenn sie sich hinter meinen Beinen verstecken, weil sie wissen, dass ich sie beschütze.
  • wenn sie sich an meinen Hals klammern, weil sie wissen, dass ich sie tröste.
  • wenn sie ganz verträumt in die Ferne blicken und alles um sich herum vergessen.
  • wenn sie mir ohne zu zögern verzeihen, obwohl ich gerade so unfair zu ihnen war.
  • wenn sie sprechen wie ich, schauen wie ich, sind wie ich.
  • wenn sie weg sind und ich erkenne, dass ich ohne sie nicht mehr sein möchte.
  • wenn ich ihnen die Welt erklären darf und sie mir die ihre zeigen.

Natürlich gibt es noch viele weitere Momente des Glücks. Und es werden auch noch viele weitere dazu kommen. Und auch wenn ich schimpfe und schreie und weine und mir alles manchmal zu viel wird, so sind es doch diese Momente, die alles wieder aufwiegen. Momente, die die Perspektive wieder gerade rücken und zeigen: Ich habe großes Glück, ich bin glücklich!

Was sind deine kleinen Momente?

Silvia