Nach drei Jahren und zwei Kindern war es diese Woche tatsächlich soweit: Ich ging wieder arbeiten. Zurück in den alten Job, ins gewohnte Büro und zu den lieben Kollegen. Wie toll hatte ich mir das alles ausgemalt: Energiegeladen und top gestylt wollte ich übergangslos in mein altes Arbeitsleben zurücktauchen. Nach einem herzlichen Empfang würde ich mich wieder wichtigen, komplexen Themen widmen als wäre ich nie weggewesen. Schließlich war ich dort einmal Führungskraft, verdammt noch mal!

Und dann passierte die Realität

Ich würde sagen, die erste Woche könnte man zusammenfassen mit „Bad Hair Day meets Erkältung meets Trotzkind“. Auf jeden Fall kam alles anders und vor allem wie gedacht. Und die Frage, die ich mir die ersten drei Tage im Job wohl am häufigsten gestellt habe, war: „Und das habe ich alles mal gekonnt…?!“

Tag 1

Ok, die Nacht davor war nicht so prickelnd. Wie jede Nacht irgendwie. Da mein kleiner Piccolo ja nichts nennenswertes trinkt, scheint er seinen Flüssigkeitsbedarf wohl beim nächtlichen Stillen ausgleichen zu wollen. Aber das ist ein Thema für sich. Auf jeden Fall freute ich mich wie ein Schnitzel auf meinen ersten Arbeitstag. Schlafmangel hin, blöde Schnupfnase her. Ich drückte die Kinder dem Papa in den Arm, der hat schließlich Elternzeit, und verschwand erst mal im Bad. Heute gönnte ich mir das volle Programm. Sprich Haare waschen UND Föhnen, auch wenn mir das an diesem Tag irgendwie nicht so richtig gelingen mochte. Bad Hair Day, was soll’s. Halbwegs chic angezogen – nur mit leichten Rotzeflecken an der Schulter – legte ich sogar mal wieder ein wenig Schmuck an. Die Ohrringe musste ich allerdings mit etwas Gewalt durch die halb zugewachsenen Ohrläppchen schieben..!

Eine chaotische und hektische halbe Stunde später war ich auf dem Weg zum Kindergarten. Noch schnell Primo abgeliefert und auf ins Büro.  Ich war sogar halbwegs pünktlich dran. Auf dem Weg fiel mir ein, dass ich ja tatsächlich mal wieder alleine im Auto saß. Ich drehte die Musik auf Discolautstärke und sang lauthals mit. Im Büro angekommen wurde ich herzlichst empfangen. Frisch geputzter Tisch (nein, das ist bei uns keine Selbstverständlichkeit, da mussten meine lieben Kollegen die Tage vorher schon selbst Hand anlegen), Willkommensgruß, feste Umarmungen. Ach wie schön.

Ja, und dann saß ich so an meinem Computer und wusste mit mir nicht so recht etwas anzufangen. Alle anderen hatten natürlich viel zu tun. Sie gingen in Meetings und besprachen Unterlagen. Ich klickte ein wenig rum, kannte das neue Office-Paket nicht und wusste auch sonst nicht, was gerade zu tun war. Ich beobachtete ein wenig die neuen Kollegen, die nach meiner Auszeit dazugestoßen waren. Sie diskutierten rege mit und schienen auch sonst zu wissen was sie tun. Ich beobachtete auch meine alten Teamkollegen. Einen davon habe ich selbst mit eingearbeitet. Jetzt ist er mein Chef. Drei Jahre sind eben eine lange Zeit…

Langsam aber sicher flachte die Euphorie über den ersten Arbeitstag etwas ab. Dafür meldeten sich meine zugeschwollenen Nebenhöhlen immer stärker zu Wort. Ich bekam keine Luft mehr, hörte schlecht und der Kopf dröhnte. Das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Etwas ernüchtert holte ich nach den ersten fünf Stunden meines neuen Lebensabschnittes Primo wieder vom Kindergarten ab.

Tag 2

Ich bekam früh kaum die Augen auf. Piccolo schrie gefühlt die ganze Nacht und wenn nicht, lag er auf mir und ich bekam keine Luft. Oder ich hustete mir die Seele aus dem Leib. Mein Vorsatz des chic anziehens konnte mich an diesem Tag einmal gern haben: Gemütlich war die Devise. Nicht, dass eine Bluse es noch rausgerissen hätte. Die zugeschwollenen Augen, rote Schnupfnase und heisere Stimme dominierten den Look.

Ansonsten war natürlich an diesem Tag Primos Trotzphase wieder hoch im Kurs. Ich zog ihn unterm Tisch hervor, um ihn anzuziehen. Ich zog ihn unter dem Bett hervor, um mit ihm Zähne zu putzen. Beim Jacke anziehen schmiss er sich tobend auf den Boden: falsche Farbe! Eigentlich war ich mit den Nerven schon durch, bevor ich überhaupt losfuhr.

Im Büro wurde der Tag leider auch nicht besser. Kaum zur Tür herein wurde ich mit einem Meeting überrascht. Dort musste ich mich konzentrieren, um überhaupt die Augen offen zu halten. Der Inhalt des Meetings ging komplett an mir vorbei. Ich sehnte mich nach Kaffee. Kaffee und Nasenspray. Den Rest des Tages versuchte ich dann EINE Datei zu aktualisieren. Dabei kam ich mir vor wie der letzte Depp. Natürlich wollte ich nicht wegen jeder Kleinigkeit nachfragen, musste es dann aber doch. Und das alles konnte ich einmal im Schlaf?

Tag 3

Freitag. Zum Glück. Das Wochende herbeizusehnen ging ja ziemlich schnell, dafür dass ich mich seit Monaten über das Ende meiner Elternzeit freute. Irgendwie hatte ich mir aber wohl alles ein wenig anders vorgestellt. Zu rosa wahrscheinlich, zu leicht, zu selbstüberschätzend.

Aber die Nacht war zumindest besser. Etwas. Und ich fühlte mich auch besser. Etwas. Außerdem habe ich mir vorgenommen, mich weniger selbst zu bemitleiden, als vielmehr mich intensiver einzuarbeiten. In ein paar Wochen würde ich über meine Anlaufschwierigkeiten sicherlich lachen. Bestimmt!

Der Trotz hatte an diesem Freitag zum Glück auch schon Feierabend gemacht. Jedenfalls kamen wir voll Harmonie am Kindergarten an. Und auch im Büro konnte ich sogar produkiv und selbständig mitarbeiten. Auch wenn es wohl die leichteste und selbsterklärendste Tätigkeit war, die es in unserer Abteilung gibt. Ich muss es schließlich wissen, habe ich diese Aufgabe doch genau deswegen schon einigen Praktikaten und Neukollegen übertragen. Aber immerhin. Es kommt zurück, das Wissen. Langsam, aber es kommt.

Wieder daheim angekommen wachte Piccolo gerade von seinem Mittagsschlaf auf. Ich nahm ihn hoch und legte mich noch einmal mit ihm ins Bett. So wie ich war. Und er kuschelte sich noch einmal an mich. Das ist einer meiner liebsten Momente. Wenn er noch ganz verschlafen seine Nase an meinen Hals drückt und am liebsten in mich hineinkriechen möchte. Wenn er dann langsam munter wird, sich aufrichet und mich schließlich anlacht. Nur weil ich da bin. Und ich lache dann zurück und küsse sein kleines Gesichtchen.

Und in diesem Moment war ich wieder versöhnt. Der Job ist, was er ist: der Job. Nach drei Jahren Auszeit ist es ganz natürlich, dass ich ein paar Tage oder auch Wochen brauchen würde, um mich wieder einzufinden. Auch wenn mir meine Ungeduld und der Anspruch an mich selbst das ein oder andere mal bestimmt noch etwas anderes weiß machen möchten. Dafür wusste ich jetzt andere Dinge. Zum Beispiel, dass Piccolo es eben liebt, nach dem Aufwachen noch zu kuscheln. Oder dass Primos Lieblingsfarbe Rot ist. Ich weiß, was alles in der Ausflugstasche sein muss, damit es nicht schon im Auto Tränen gibt. Und ich kann zwei kleine Kinder gleichzeitig ins Bett bringen – ohne Geschrei. DAS habe ich in den letzten drei Jahre gelernt. Und das ist auch gut so.

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