Als wir vergangenes Jahr unser Häuschen gekauft hatten freute ich mich schon wie ein Schneekönig auf ausgedehnte Shoppingtouren in den verschiedenen Möbelhäusern. Schließlich brauchten wir neue Möbel, Lampen, Deko – einfach alles. Eines schönen Samstages machte sich unsere kleine Familie dann schließlich mit Aktionsgutscheinen bewaffnet auf den Weg zur nächsten Möbeloase. Primo war damals 15 Monate alt, er hatte gerade angefangen frei zu laufen.

Ein spaßiger Nachmittag für Alle, dachte ich. Aber natürlich sollte alles anders kommen… hier ist unsere Geschichte:

Mit Kind ins Möbelhaus, ach wie ist das schön?

Mit welcher Ausrüstung fahren wir am besten mit einem Laufanfänger ins Möbelhaus? Ohne Alles? Primo kann ja jetzt schließlich laufen. Aber dann müsste ich bzw. mein Mann die riesige, alles enthaltende Wickeltasche die ganze Zeit tragen? Hm. Dann vielleicht den Kinderwagen mit hineinnehmen? Darf man das? Zu sperrig, und Primo hat nach der Autofahrt auch wenig Lust. Na, wir gehen mal rein und schauen, wie dies andere Eltern handhaben.

Primos Lauffreude ist bereits beim Möbelhauseingang  jäh beendet. Bockig steht er in der Eingangshalle, die Ärmchen nach oben gestreckt. Na gut, wir brauchen also einen fahrbaren Untersatz. Ein Stück weiter stehen Einkaufswagen bereit. Da hätten wir den Kinderwagen auch mitnehmen können. Viel unhandlicher wirds nicht mehr. Aber gut. Besser als Tragen allemal. Davon lass ich mir die gute Stimmung nicht zerschießen. Auf zur Esszimmerabteillung, wir brauchen einen neuen Tisch.

Kapitel Esszimmerabteilung

Dort angekommen möchte Primo dann natürlich doch wieder selbst laufen. Klar. Einmal auf den Boden gesetzt, stapft er munter Richtung Esstischarrangements. Nun, viel kann er hier ja nicht anrichten? Erstes Stirnrunzeln und strafende Blicke seitens der Verkäufer erhalten wir jedoch als Primo anfängt Stühle umherzuschieben, die teurer sind als unser Auto. Wir mahnen und stellen alles wieder an seinen rechten Platz.

Zu einer Weiterfahrt im Einkaufswagen lässt sich Primo allerdings nicht überzeugen. Er rennt von Stuhl zu Stuhl, wir hinterher. Mehr als einen Blick beim vorbeihechten bekommen wir heute von keinem Tisch. Mittlerweile geben wir auf, die Stühle wieder zurückzuschieben. Wie schnell kann so ein Einjähriger eigentlich sein? Schließlich fangen wir ihn ein und verlassen die Abteilung peinlich berührt. Zurück lassen wir ein abstraktes Kunstwerk an bunt zusammengewürfelten Tisch – Stuhl – Kombinationen.

Kapitel Wohnzimmerabteilung

Neuer Versuch in der Wohnzimmerabteilung. Das Highlight unseres Shoppingtrips. Inspierieren lassen von den Möglichkeiten! Inspieriert ist Primo auch. Von den tausenden an Möglichkeiten, uns an den Nervenzusammenbruch zu führen. Moderne Sideboards und Couchtische laden zum Klettern ein. Sämtliche Schubladen und Schränkchen werden aufgerissen und wieder zugeknallt.

Die gemütliche Sortimentsbesichtigung ist ein Ding der Unmöglichkeit. Jedes Weg- und Weiterziehen wird seitens Primo mit steigendem Frust und lautstarkem Widerstand begegnet.  Die anderen Besucher schauen mittlerweile mitleidig auf unser schimpfendes Kind. Ob Mitleid für Primo oder uns, kann ich nicht sagen. Die Verkäufer beobachten uns argwöhnisch. Als es sich Primo auf dem nächsten Sofa bequem macht, natürlich mit Schuhen auf dem Polster, lassen wir uns ebenfalls nieder. Tief durchatmen!

Aber so schnell gebe ich nicht auf. Ein Sofa möchte ich mir wenigstens aussuchen. Während wir Probesitzen, unterzieht Primo dem selbigen einem Hüpftest. Wir tun so, als würde uns das nicht stören. So kommen wir vielleicht „nur“ als unverschämt rüber, und nicht zu inkompetent einen Einjährigen zu bändigen. Auf jeden Fall landen wir wohl auf der Schwarzen Liste des Möbelhauses. Was soll’s. Beendet wird unsere Sofatour letztendlich durch den in Szene tretenden Treppenabgang. Diesen will Primo unbedingt alleine bezwingen. Wohl kaum. Wutanfall und Bodenrollen ist das Resultat unserer Hinderungsmanöver.

Ein Brötchen und eine Erkenntnis

Schließlich haben wir dann genug. Primo wird unter schwerstem Protest in die Sitzschale des Einkaufswagens gesetzt. Nun kommt das mitgebrachte Brötchen zum Einsatz. Das war zwar für die Heimreise angedacht, aber irgendeinen Tod muss man wohl sterben.  Wir machen uns direkt auf den Weg zum Ausgang. Angst, uns zu verlaufen, brauchen wir nicht zu haben. Im Notfall folgen wir einfach unserer eigenen Bröselspur zurück. Dann kommen wir am Adventureland Schrägstrich Kinderbetreuung des Möbelhauses vorbei. Jetzt wird mir einiges klar. Mit sehnsüchtigem Blick lesen wir auf der Tafel, dass Kinder ab zwei Jahren abgegeben werden können. Gut zu wissen.

Zum guten Schluss die letzte Hürde. Der Ausgang befindet sich nach der Kleingrusch-Abteilung. Wir versuchen, mittig zu fahren und hoffen, dass noch genug Brötchen da ist. Unglaublich, wie lang sich kleine Kinder im Einkaufswagen machen können, wenn sie an etwas ran möchten. Aber die Lektion habe ich schon im Supermarkt gelernt. Wir erreichen die Kassen ohne Zwischenfall und atmen auf. Den leeren Einkaufswagen stellen wir zurück und tragen unseren gutgelaunten Primo zum Auto. Na wenigsten einer hatte heute Spaß.

Fazit: Unsere Möbel haben wir alle online bestellt und nach Hause liefern lassen.

Silvia

Bildquelle: Fotalia / © Victor Zastol’skiy