Autofahren mit Kindern ist so eine Sache. Nicht-Eltern haben haben da oftmals das Bild friedlich schlafender Kinder vor Augen, so wie ich selbst noch vor ein paar Jahren. Und schlafende Kinder sind schließlich immer gut? In der realen Welt kann Autofahren mit Kindern eine nervenaufreibende und komplizierte Angelegenheit sein. Manche Kinder fallen sofort ins Koma sobald der Motor anspringt. Für andere ist es scheinbar die größte Frechheit der Welt, dessen Ungerechtigkeit sie mit ungemeiner Ausdauer kundtun. Ob es auch Kinder gibt, denen Autofahren Spaß macht kann ich nicht sagen. Ich habe noch keine getroffen.

Mit meinen Kindern ist das Autofahren jedes Mal eine nervliche Zerreißprobe. So wie an diesem Tag:

Mir wird es flau im Magen und ich bekomme Schweißausbrüche an den Gedanken der vor mir liegenden Aufgabe: Eine 30-minütige Fahrt. Mit dem Auto. Mit meinen Kindern. Ich tue mir jetzt schon leid. Kaum den Motor angelassen spotzt Baby Piccolo den Schnuller durch die halbe Rückbank und schreit im vorwurfsvollen Ton drauf los. Der am Tragebalken hängende Spielring wird ignoriert genauso wie das am Gurt befestigte Knisterbuch. Während ich rückwärts ausparke frage ich mich ob die Babyschale womöglich zu voll behängt ist. Womöglich ist er ja überfordert? Ich nehme mir vor verschiedene Spielzeugvarianten zu testen.

Aus dem Parkplatz herausgefahren hoffe ich dann auf eine baldige rote Ampel. Vielleicht hilft der Schnuller beim zweiten Anlauf. Vorausgesetzt ich finde ihn überhaupt. Aber natürlich ist jede Ampel grün. War ja klar. Nun macht sich auch Primo bemerkbar. Es verlangt ihn nach „TEEE“, „TEEE“. Nicht dass ich ihn vor dem Losfahren nicht danach gefragt hätte. Aber Egal. Ich fische nach der Flasche in der Tasche auf dem Beifahrersitz und reiche sie nach hinten durch. 2 Minuten später höre ich wie die Selbige auf den Boden knallt.“Oppala“ ertönt es. Ich knirsche mit den Zähnen und hoffe dass Primo sie wieder zugedreht hat bevor er sie „entsorgte“ und sich nicht gerade eine Pfütze im Fußraum bildet. Aber wer macht sich hier was vor!

Jetzt kommt der Kreisverkehr vor der Autobahnauffahrt. Jegliche Schnullerberuhigungshoffnungen sterben mit Blick auf den blauen Wegweiser. Ich gebe Gas. Piccolo protestiert munter weiter, der Ton wird schärfer. Jüngst werde ich von einem schrillen „DA TATÜTATA“ aus meiner Beruhigungsatemübung gerissen. Ich verreise vor Schreck fast das Lenkrad. Dieses knarzt unter den weisen Fingerknöcheln. „Oh toll gesehen ein Krankenwagen“ rufe ich Primo nach hinten und hoffe damit wenigstens seine gute Laune nicht kippen zu lassen. Die Freude über diese Entdeckung wird auch prompt zum Anlass genommen die beliebten Gläser-zerspring-quietscher zu üben. Ich versuche es zu ignorieren, jegliche Ermahnung hat erfahrungsgemäß den genauen gegenteiligen Effekt. Jetzt kommt die Atemübung wieder zum Einsatz.

Währenddessen schreit sich Piccolo die Seele aus dem Leib.

Das Quietschen geht weiter. Ach verdammt nochmal: „Hör jetzt auf damit“ schimpfe ich durchs Auto. Quittiert wird das ganze mit drei aufeinanderfolgenden Rekordquietschern. Ich ärgere mich über mich selbst, und wünsche mir mehr Gleichmut. Die Atemübung nützt gar nichts. Die Autobahnausfahrt ist in Sicht. Ich atme erleichtert auf, nur noch wenige Kilometer bis nach Hause. Mir fällt auf, dass es schon länger keine Quietscher mehr zu hören gab. Der Blick in den Rückspiegel lässt mir dann fast das Herz stehen. Primo werden gerade die Augen schwer. „Hey, nicht mehr schlafen jetzt! Wir sind gleich daheim!!“ rufe ich schnell.

Ich sende Stoßgebete gen Himmel, dass er noch durchhält. Mit einem 10-min Powernickerchen zu dieser späten Stunde wäre das Schlafengehen auf unbestimmte Zeit verschoben. Mein Auf-der-Couch-zusammenrollen-und-die Stille-genießen Abend zerplatzt wie eine Seifenblase. Den Rest der Fahrt versuche ich ihn mit dem beliebten „Sieh-mal-da-“-Spiel wach zu halten.

Endlich sind wir daheim. Ich parke ein und schelle durchs Auto „Wir sind da“. Primo fliegen die Augen auf. Gerade nochmal gut gegangen. Hoffe ich. Ich springe aus dem Auto und hechte zu Piccolo. Hört sich schon ganz heißer an. Das Herausnehmen der Babyschale beendet die Schreierei erwartungsgemäß. Ich bin fix und alle, mit den letzten Nervenreserven schiebe ich die Kinder zur Eingangstür hinein. Eine Runde Milch für alle ist jetzt die Devise. Und wie immer klammere ich mich in Momenten wie diesem an das liebste Mama-Mantra: Auch das wird vorbeigehen!

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