Die zwei größten Themen bei Müttern mit Babys und Kleinkindern sind Essen und Schlafen. Nun, Essen tun meine beiden Jungs gut. Schlafen nicht so sehr. Als Katharina vom Familienblog Kinderleute zur Blogparade „Schlaf gut – Baby“ aufrief war klar, dass ich diesem Thema das nächste Kapitel in meinem persönlichen Familienthriller widmen muss:

Bitte schlaf Kind… bitte, bitte!

Diesen Dienstag Morgen findet man mich um 7:00 Uhr mit gläsernem Blick in der Küche stehen. Piccolo sitzt auf dem Arm. In der anderen Hand ein halbwegs frischer Kaffee. Wie so oft in den letzten Wochen und Monaten denke ich mit Grauen an die vergangene Nacht zurück.

Piccolo war um 19:30 Uhr eingeschlafen. Auf dem Arm, wie immer. So weit so gut. Das Zubettgehen abends war auch noch nie ein Problem. Vorsichtig legte ich ihn in sein Gitterbett. Dieses steht neben unserem im Elternschlafzimmer. Dann, um 20:15 Uhr war er das erste Mal wach. Schnell den Schnuller rein und wie ein Schnitzel von der Rücken- in die Bauchlage gewendet. Alles wieder ruhig.

Lasset die Nachtspiele beginnen!

Diese Ruhe dauerte dann auch immerhin an, bis ich gegen 22:30 Uhr selbst ins Bett gegangen bin. Ich schwöre, Piccolo hat eine sechsten Sinn dafür. Ich kann mich noch so leise neben ihn ins Bett schleichen. Es ist auch egal, um welche Uhrzeit. Ein paar Minuten später quakt er los und will genommen werden. Da hilft dann auch kein Schnuller mehr.

Und wie so oft fügte ich mich auch in dieser Nacht meinem Schicksal. Mit gewohnter Praxis machte ich es mir mit Piccolo über meinen Bauch drapiert bequem. Ich nahm das E-Book zur Hand und las noch ein paar Seiten, bis Piccolo wieder fest eingeschlafen war. Anschließend legte ich ihn wieder in sein Bett. Mittlerweile war es 23:15 Uhr.

Gefühlte drei Sekunden später schrie mich Piccolo vorwurfsvoll von der Seite an. Er stand bereits am Gitter und warf mir empört seinen Schnuller entgegen. Damit wollte er mir wohl sagen, was er von meiner Wieder-in-sein-eigenes-Bett-legen-Aktion hält. Also gut, wieder zurück auf Anfang. Kind auf meinen Bauch legen und weiterschlafen.

Einmal Schlafpause bitte!

Zumindest soweit der Plan. Doch anstatt wieder zufrieden ins Land der Träume zu entschwinden, wurde Piccolo immer wacher und unruhiger. Ich stellte mich schlafend und versuchte, ihn zu ignorieren. Nach einer Weile fing er allerdings an, lauthals zu schimpfen. Piccolo war wach. Und hatte wohl Langeweile. Ich dagegen bekam kaum die Augen auf. Schließlich gab ich doch auf, und ging mit ihm einen Stock tiefer ins Wohnzimmer. Nicht, dass er mir noch das ganze Haus mit seiner Schreierei aufweckt. Denn wenn eines schlimmer ist, als ein waches Kind mitten in der Nacht, dann sind es zwei wache Kinder mitten in der Nacht.

Im Wohnzimmer angekommen bekam Piccolo wieder gute Laune als er samt Schlafsack über die vom Abend noch herumliegenden Legosteine robbte. Die Küchenuhr leuchtete mir ein 3:30 Uhr entgegen. Ich machte es mir neben Piccolo auf der Krabbeldecke bequem und wartete darauf, dass er wieder müde werden würde. Erfahrungsgemäß ist es so am einfachsten für alle. Sollen doch die Ratgeber ihren Finger heben und mahnen, man solle sein Kind nachts nicht spielen lassen. Wie sollte er sonst das Schlafen erlernen?

Wenn ICH etwas in den letzten drei Jahren meiner Mutterschaft gelernt habe, dann, dass man Schlaf nicht erzwingen kann. Irgendwann schlafen sie alle. Manche eben nur ein wenig später als früher. So wie mein Piccolo. Für den scheint der Nachtschlaf, seit seiner Geburt vor gut zehn Monaten, der persönliche Feind zu sein.

Zwanzig Minuten später war es dann aber soweit. Tiefes Gähnen sagte mir, dass sich der Versuch lohnte ihn federnden Tragens vom Schlafen zu überzeugen. Und so war es auch. Gott sei Dank! Der Vier-Uhr-Glockenschlag begleitete mich wieder ins Schlafzimmer, wo ich mich mit Piccolo im Arm in mein Bett kuschelte. Kurz spielte ich mit dem Gedanken, ihn in sein eigenes Bett zu legen. Das Risiko eines wiederum wachen Babys, gepaart mit meinem eigenen Verlangen nach Schlaf, erstickten diese Idee jedoch im Keim.  Ich atmete tief durch und freute mich auf die nächste Schlafepisode.

Die Kunst des Totstellens

Die Freude währte nicht lang. Kurze Zeit später wurde ich durch einen Schrei von der anderen Seite des Bettes aus meinem Dämmerzustand gerissen. Dort steht das Babyfon mit Verbindung zu Primos Zimmer. Meine Frustration war grenzenlos. Ich stellte mich tot und wartete darauf, dass mein Mann sich dessen annimmt. Was er schließlich auch tat.

„Triinken…“ ertönte es aus dem anderen Zimmer. Ich rollte innerlich mit den Augen. Primos Trinkbecher steht direkt am Bettrand. Wann würde er wohl lernen, es sich einfach selbst zu nehmen? Aber gut, können wir nun bitte, bitte, bitte alle noch eine Runde schlafen, bevor der Wecker klingelt?

Schlafen taten dann tatsächlich alle. Außer ich. Ich war zu aufgewühlt von der bisherigen Nacht, um gleich wieder einschlafen zu können. Na Toll! Ich hörte noch die nächsten Glockenschläge. Fünf Stück an der Zahl.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Und so stehe ich nun, zwei Stunden später, mit Kind und Kaffee im Arm am Küchenfenster und frage mich, ob das wohl jemals besser wird. Bestimmt. Primo war ein ähnlich schlechter Schläfer. Mitlerweile schläft aber auch er im eigenen Zimmer halbwegs sicher durch. Von nächtlichen Durstattaken mal abgesehen. Trösten kann mich diese Erkenntis an diesem Morgen allerdings nicht.

Hellwach dagegen werde ich allerdings, als mir Piccolo in die Tasse greift und mich in Kaffee tränkt. Ich versuche, nicht komplett auszuticken. Während ich mich umziehe, fluche ich wortstark vor mich hin. Kann der Tag noch besser werden? Auf dem Weg zur Kinderkrippe erfülle ich dann noch das Klischee der schlecht fahrenden Mutti im Hausfrauenpanzer, indem ich bei der Einfahrt mit dem Hinterreifen über den Bordstein scheppere. Ich schüttle über mich selbst den Kopf und nehme mir vor, mich bei Piccolos Vormittagsnickerchen mit hinzulegen. Scheiß auf die Wäscheberge im Keller. Irgendwann wird auch das vorbeigehen.  Ganz bestimmt!

Bildquelle: Fotalia / © dreamerve