Ich bin ja so eine alte Tragetante… geworden. Denn sowohl Primo als auch Piccolo fanden den Kinderwagen im wachen Zustand eine Zumutung. Keine zehn Minuten blieben sie ruhig darin liegen. Andere Babys beschäftigen sich mit einer Wagenkette oder schauen einfach umher. Meine nicht. Und das ist auch gar nicht so ungewöhnlich. Sabine von Back to Basics Family hatte ebenfalls dieses Problem und hat sich aus diesem Grund die Geschichte des Kinderwagens einmal genauer angesehen.

Ich musste also eine Alternative finden und entdeckte das Tragen für mich. Dabei stellte sich heraus, dass das Tragen, neben dem reinen Kinderwagenersatz, auch noch einige weitere Vorteile besaß. Gegenüber dem sperrigen Kinderwagen ist beispielsweise ein Stadtbummel oder Einkauf in engen Läden mit einem getragenen Baby deutlicher leichter zu bewerkstelligen. Man ist auch nicht mehr auf Barrierefreiheit angewiesen – etwas das oftmals zum Problem werden kann. Und gerade mit zwei kleinen Kindern wäre mein Alltag ohne Trage viel schwieriger zu meistern gewesen. Mit seinen damals zwei Jahren wollte Primo seinen Kinderwagen nicht kampflos an das neue Geschwisterchen abgeben. Mal abgesehen davon, dass der Versuch, ihn dazu zu bewegen drei Meter in die richtige Richtung zu laufen, meine Nerven bereits blankliegen ließ.

Außerdem genossen sowohl ich als auch meine Jungs den direkten Kontakt und die Nähe. Sie waren beide deutlich zufriedener in der Trage. So waren auch mit zwei Kindern ausgedehntere Ausflüge alleine möglich, da Piccolo im Tuch sehr lange ruhig blieb und ich ihn auch nicht mit dem Kinderwagen irgendwo abstellen musste, während ich mit Primo spielte. Oder bei Facharztbesuchen, bei denen die Wartezeiten schlecht einschätzbar oder die nur zu Fuß erreichbar waren, hat sich das Tuch bezahlt gemacht, wie zum Beispiel bei unserem Besuch beim Augenarzt. Aber bevor ich zu sehr in die Vorteile des Tragens abschweife: Die wichtigsten Punkte dazu wurden hier sehr schön aufbereitet.

Tragen bei kalten Temperaturen

Im Sommer ist ja immer alles einfach. Baby mit leichter Kleidung in die Trage gesteckt. Fertig. Wenn es ein wenig kühler wird, ist es immer noch kein Problem. Schließlich gibt es schöne Fleeceanzüge, die die Kleinen zusätzlich zur Körperwärme vor Kälte schützen. Da macht einem selbst die offene Jacke auch noch nicht so viel aus. Man hat ja schließlich einen kleinen Heizkörper vorne am Bauch hängen. Dann aber gibt es noch die richtig kalten Tage und den Winter. Der Wintermantel geht nur bis zu den Babyfüßen zu. Die Umstandsjacke auch. Und was jetzt?

Ich bin ja glücklicherweise nicht die Erste mit diesem Winter-Problem. Daher gibt es  schon ein recht großes Angebot, um das Tragen wintertauglich zu machen. Zum einen gibt es Tragecover. Diese Cover kann man sich als eine Art Kängurubeutel vorstellen, die einfach über das Baby in der Trage gestülpt werden. Quasi eine Jacke über die Trage. Für mich kam ein Tragecover allerdings nicht in Frage, da es nicht das Problem meiner offenen Jacke löst. Oder ich müsste mein Baby über der Jacke tragen. Aber es ist ja gerade der Körperkontakt, der den Kleinen so gut tut. Mal abgesehen davon, dass bei Neugeborenen vom Tragen ohne Körperkontakt dringend abgeraten wird, da dies schnell zu Unterkühlung führen kann. Auch wenn man sie vermeintlich gut einpackt.

Dann gibt es natürlich noch Tragejacken. Diese Jacken sind derart konzipiert, dass zum einen genug Platz für das Baby ist, dasselbige bequem herausschauen kann, aber auch die Mama gut eingepackt ist. Hier gibt es von einigen Herstellern wirklich tolle Modelle, die wie ein Baukastenprinzip erweiterbar sind. Solche Jacken können sowohl während der Schwangerschaft als auch zum Tragen genutzt werden. Bei vielen Modellen ist der Einsatz auch komplett entfernbar, um sie als normale Jacke zu nutzen. Wenn man sich frühzeitig mit dem Thema Tragen auseinandersetzt und so ein Modell vielleicht bereits als Umstandsjacke nutzt, ist sie bestimmt eine gute Investition. Nun, ich habe es nicht. Und zusätzlich zur Umstandsjacke wollte ich mir dann nicht noch eine Jacke kaufen.

Der Kumja

Die dritte Option ist die Kumja-Jackenerweiterung. Der Kumja verwandelt deine eigene Winterjacke in eine Tragejacke. Oder natürlich auch in eine Umstandsjacke – nur war bei mir der Zug nun ja schon abgefahren. Das Prinzip dabei ist ganz einfach. Es gibt einen standardisierten Einsatz, den Kumja, mit einer Breite von ca. 25 cm und einer Länge von 70 cm. Mittels Reißverschlussadapter wird der Kumja dann in deine Jacke oder Mantel eingefügt. Die Breite ist über eine Schnürung stufenlos verstellbar.

Auswahl und Lieferung

Den Kumja gibt es gefüttert für den Winter oder ungefüttert für die wärmeren Monate des Jahres. Farblich ist der Kumja in schwarz und grau erhältlich. Für die Wahl des richtigen Reißverschlussadapters wird man durch einen einfach aufbereiteten Auswahlprozess geführt. Dort wird anhand der Reißverschlusseigenschaften deiner Jacke, unter anderem Material und Zahnform, der richtige Adapter herausgesucht. Da ich den Kumja nicht nur auf den Winter beschränken wollte, habe ich mich für die ungefütterte Version entschieden. Farbvariante schwarz. Die Lieferung erfolgte prompt nach wenigen Tagen in einem hübschen Täschchen, in dem sowohl der Kumja als auch mehrere Adapter ihren Platz haben.

Kumja Tasche

Der Kumja in der Praxis

Als ich den Kumja das erste mal sah, war ich etwas skeptisch, ob die 25 cm Erweiterung wirklich ausreichen, um damit Primo samt Trage abzudecken. Schließlich ging selbst die Umstandsjacke nur bis zu den Füßen zu. Und die war mächtig..! Zuerst musste allerdings der Kumja an meinen Mantel. Dazu nehme man im ersten Schritt den Adapter und füge diesen an beide Seiten des Kumjas an. Grün zu grün. Einfacher wird’s nicht mehr. Danach kann der Kumja in die Jacke gezippt werden. Dank Auswahlprozess passte der Reißverschluss perfekt in meinen Mantel. Danach habe ich Primo in die Manduca geschnallt, den Mantel drüber und voilà: Er ging ohne zu spannen zu. Im Gegenteil, es war sogar noch Luft nach oben. Oder in diesem Fall, Luft nach vorne.

Kumja Reisverschluss Adapter

Mit einer Standardlänge von 70 cm ist der Kumja auch für annähernd jede Jacken- und Mantellänge ausreichend. Mein Mantel hat Oberschenkellänge und ich muss den Kumja ein gutes Stück einklappen, damit meine Jungs eine Luke zum herausschauen haben. Für diesen Zweck sind übrigens praktische Druckknöpfe entlang des Kumjas angebracht. Für die ganz harten bzw. langen Fälle gibt es aber auch einen Spezialadapter, der ermöglicht den Kumja auf beliebiger Höhe in deine Jacke einzufügen.

Draußen unterwegs merkt man den Kumja nicht. Die Jacke ist ganz normal zu schließen und zu öffnen. Die Mäuse sind kuschelig am Körper und in unsere eigene Jacke mit eingepackt. Einzig Mamas Hals ist natürlich offen, da man den Kumja nur bis zum Babykopf schließt. Diesen hält dann aber ein Schal oder Rollkragen warm.

Fazit

Der Kumja ist eine super Alternative für alle, die sich die Anschaffung einer Tragejacke sparen wollen. Dank Adapter kannst du mit ihm jede deiner Jacken zu einer aufrüsten. Das Baby wird am warmen Körper getragen. Seine Arme und Beine sind gut vor der Kälte geschützt – genauso wie die Mama!

Erhältlich ist er über Mamamotion.

Eure Silvia